Ich nahm mir vor, die Wurzeln des texanischen Übels zu erkunden. Also ging es am Sonntag mit Andreas auf nach San Antonio, der Geburtsstätte der texanischen Freiheit. Wie der Zufall es wollte, gerieten wir mitten in die Feierlichkeiten des örtlichen Schützenvereins zum 170. Geburtstag der berühmten Schlacht von Alamo.

1836 ließen sich 189 Bürger von General Santa Annas mexikanischer Armee in einem 13-tägigen Gemetzel für die texanische Unabhängigkeit schlachten. Darunter auch James "Jim" Bowie, Erfinder des
Bowiemessers und amerikanischer Held. Eine Tatsache, wie ich im Alamo lernen durfte, die in Texas durch das Ausstellen eines Löffels gewürdigt wird. Die Texaner jedenfalls sind mächtig stolz auf diese Niederlage, von der nur ein einziger Zeitzeuge zurückkehrte, um zu berichten.

Wer sich von so viel Heldentum zur Nachfolge inspiriert fühlt, dem möchte ich im Namen des Alamo ein blutiges "Become a hero!" entgegenschmettern und darauf hinweisen, dass dieses Ziel auch dem ungeübten Löffelschwinger zu einem geringen Unkostenbeitrag von 1.000 $ durch den Kauf eines
Alamo-Ziegelsteines möglich wird.

Ebenfalls in San Antonio findet man die älteste - und wie ich meine auch kleinste - Kathedrale der Nation:
San Fernando Cathedral. Hoffnungsfroh steuerten wir auf dieses Stück amerikanische Urgeschichte zu, bereit, uns in vergangene Jahrhunderte zu versenken und den Geist der Gründerväter auf uns wirken zu lassen. Allerdings besticht dieses 1731 gegründete, ekklesiastische Kleinod im Inneren durch den prähistorischen Charme modernen Reibeputzes und Kirchenfenster, die sich hinter dem künstlerischen Prunk moderner Hinterglasmalerei nicht zu verstecken brauchen.
Die Enttäuschung wurde wettgemacht durch eine Fuhre frischer Austern, die sicherlich geradewegs aus dem San Antonio River kamen, dem wir umgehend mit einer demütigen Bootsfahrt huldigen mussten.

Der San Antonio River liegt gewissermaßen ein Stockwerk unter der Stadt und wird wie ein kleiner Kanal im Stadtinnern zu beiden Seiten von Restaurants und Bars gesäumt, die im Schatten der Häuser und einer recht exotischen Bepflanzung liegen. Außerdem wird er von einer durchaus liebenswerten Fischart bevölkert, die sich auf Moskitolarven spezialisiert hat und somit mindestens so viel Applaus verdiente, wie die weisen Einlassungen unseres Gondoliere - "no sugar or preservatives added" - zur Qualität des Wassers.