30. April 2007

$70 pro Pfund

Ich hatte es beim Poetry Slam gehört und mal nachgeforscht: Daniel Patrick, ein republikanischer Senator aus Texas, will jeder Frau $500 zahlen, die ihr Kind austrägt und zur Adoption freigibt, anstatt es abtreiben zu lassen. Nicht schlecht, klingt ein wenig nach "The Handmaid's Tale". Wie Genevieve schon sagte: "Stop babysitting and start babymaking! There's good money in this!" Und damit haben wir dann ja auch endlich einen Preis für ein Leben in Texas. Ein Kommentator meinte: "Wie wäre es denn, wenn wir jeder Person, die NICHT zur Armee geht, $500 bezahlen? Das würde noch viel mehr Leben retten." Das fand ich einen ziemlich guten Punkt.
Zur gleichen Zeit gehen in der Türkei hunderttausende von Menschen auf die Straße, um für die Trennung von Staat und Kirche zu demonstrieren. Es ist schon lustig, daß die Türkei die USA in dieser Sache abhängt. Und auch ein wenig gruselig. Aber das muß wohl daran liegen, daß die Muslime ja an den FALSCHEN Gott glauben (und nach Ansicht konservativer Christen in den USA damit genau wie Katholiken Dämonen anbeten). Landoverbaptist hat dazu auch eine nette Satire...

A delicate Texas flower


Joan Crawford mit dem Drahtbügel ist zwar gruseliger, aber Georgie macht auch was her als Nudelholzschwingerin.

29. April 2007

Abflug


Da war dann der Abschied ganz schnell da und schwupps waren wir am Flughafen. Dort haben wir uns noch einmal in Positur geworfen, und ich nehme an, mein Bruder wird seinen Cowboyhut noch tragen, wenn er in Düsseldorf aus dem Flieger steigt.

28. April 2007

Company Meeting


Wie jedes Jahr gab es auch diesmal wieder das Company Meeting der amerikanischen atsec. Diesmal fand es im Driskill Hotel in einem sehr schönen Saal statt. Hier seht Ihr die fast komplette Mannschaft auf der Treppe zum Zigarrensalon.

Und natürlich war es eine entspannte Atmosphäre und meine Kolleginnen und Kollegen konnten sich mal einen Tag zurücklehnen und den Vorträgen lauschen...

Vor allem natürlich meinem. Schnarch. Da war der besonders vergnügliche Teil der, bei dem ich die nicht erfolgreichen Kampagnen vorgestellt habe. Leider kann ich die hier nicht wiedergeben, das wäre rufschädigend... :)

Und ich habe auch extra meine neue PR-Futzi-Brille getragen, über die man prima streng schauen kann, wenn man sie sich auf die Nasenspitze schiebt. Dafür habe ich eine Menge Komplimente bekommen, meist allerdings von Männern...

Geschafft


Heute erhielten wir letzte Intruktionen vom Texinator...




... insbesondere einen Schnellkurz in Texanischer Trinkkultur.

Dann endlich (nach dem Kniefall vor dem Alamo) ist es geschafft:


We are texanised: officially approved Texans of german heritage...


... with the option to settle down in New Bratwurst, Boerne or Schlitterbahn.


Dieses freudige Ereignis feiern wir standesgemäß mit köstlichem Sushi und einem German-Evening in Sals Haus mit deutschen Gästen und italienischem Essen - beides ein Genuss!

Schließlich wählen wir im Poetry-Slam noch schnell unsere Mannschaft für die nationale Endausscheidung im August und beschließen unseren Aufenthalt in einer lauen Sternennacht mit belgischem Erdbeerbier.

So schwer es uns auch fällt: die Koffer sind gepackt. Die Heimat braucht uns. Andreas ist widerborstig und will nicht mit! Er will noch "ein Weilchen" bleiben.

27. April 2007

Sonne am Nachmittag

Neben Hinweisen auf das Alamo findet man auch Hinweise auf das "Wappentier" von Texas in jeder erdenklichen Form, Farbe, Größe und Ausführung. Hier mein Favorit in der Metan-Variante...
 

... obwohl wir das Prinzip "Long-Horn" auch in den zahllosen C0²-Varianten erkennen.
 

Versteht man diese Andeutung wohl nur als Deutscher?
Die Jungs lassen stehen dort jeden Tag und lassen den Motor ununterbrochen laufen.
 


Zum Abendessen waren wir auf der Ranch von Georgette´s Mutter. Die Ranch ist wie alles hier "nur um die Ecke" (200km hin und zurück). Man servierte uns das größte und leckerste Steak aller Zeiten. Ich kann nicht verstehen, wie Andreas seine Figur halten kann. Ich stehe kurz vor dem Platzen.

Von Georgettes Oma habe ich mir die verschiedenen Hubschraubertypen erklären lassen, die uns vom benachbarten Fort Hood aus überflogen haben. Außerdem hat sie mir die Trümmer des Schuppens gezeigt, den der letzte Tornado in den Swimming-Pool des Hauses befördert hat.

Sonne am Mittag

Remember the Breitengrad! Ich sag nur Kairo!
Draußen geht gar nicht. Also tun wir, was die Texaner von uns erwarten und besuchen das Capitol. Wir grüßen die Flagge...
 

staunen über jedes Detail von der Kuppel bis zu den kupfernen Wasserspendern...
 

... flanieren andächtig an den Porträts aller texanischen Senatoren entlang. Na - das ist nicht schwer zu erraten, oder...
 

... und JA! wir remembern das ALAMO! Komme was wolle, wir werden uns auf jeden Fall nach San Antonio begeben und uns dem Nationalheiligtum auf Knien nähern. (Wenn das Wetter hält)
 

Sonne am Vormittag

Jetzt aber schnell. Die Zeit läuft aus und wir möchten noch einiges sehen.

Erst mal zum Frühstück ins Brikett? Bristol? Basket? Killjoy? Verdammt, wie heißt es denn noch? Danach einen kleinen Spaziergang druch 0,001% von Downtown Austin. Das reicht - wir haben schließlich keine Wanderschuhe an.
 

Dann eine zünftige Stadtrundfahrt im Amphibien-Bus
 

Dann ins auf die Fledermausbrücke, einen Spaziergang am Lake Austin, ein Einkaufsbummel auf der South Congress Ave und stilechtem Mittagsimbiss an der Texaco-Tankstelle an der Autobahn. Wer findet die Fabisse?
 

Mmh - alles was die Tier- und Vogelklinik zu bieten hat.
Man nennt es auch BBQ (Bird-Beaver-Quiche).
 

26. April 2007

Regen macht den Rasen grün

Falls es in Deutschland jemandem zu heiß ist, kann er ja mal auf einen Sprung vorbeikommen. Hier kühlt der Regen alles wunderbar ab. Wir vertreiben uns die Zeit mit Helge-Schneider-Karaoke: "Texaas macht die Katze froh".
Hier die Anfahrtsbeschreibung:
Von Atlanta kommend von der Interstate 35 an dieser Stelle abbiegen...

... dann am namenlosen Autobahnkreuz vom MoPac auf die US183 North wechseln...

... notfalls findet ihr bei "Charming Lady" und "Dollar General" eine letzte Gelegenheit für den rettenden U-Turn. Ihr wollt ja schließlich nicht in Houston landen.

Dann einfach die Ausfahrt "Eichenknolle" nehmen und zum Feintuning an den Reklametafeln orientieren.

Für den Fall, dass es auf dem Foto nicht so gut erkennbar ist: Andreas wohnt hinter dem Tattooshop, aber vor der Haustier- und Vogelklinik.

25. April 2007

West-östlicher Divan

„Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.“

Nun, Goethe war offensichtlich nie in Austin. Hier sind Ost und West noch streng geschieden.

Östlich der Interstate 35 lebt ein buntes Völkchen in legeren Behausungen auf Grundstücken mit menschlichem Maß.



Gerne sitzt man vormittags in kleinen Gruppen auf Klappstühlen vor dem Haus, während die Kinder im Rinnstein tollen. Da ist ein Singen und Springen unbeschwert von allem irdischen Tand. Wer einer Arbeit nachgehen mag, widmet sich der Gartenarbeit (im Westen) oder sorgt dafür, dass Touristen bei ihrem Besuch saubere Straßen vorfinden.



Aus Verantwortungsgefühl verzichtet man weitgehend auf Klimaanlagen und Straßenbeleuchtung. Touristen, werden mit international verständlichen Gesten gebeten, ihre Kamera nicht auf die Bewohner zu richten und die empfohlene Richtgeschwindigkeit nicht zu unterschreiten.

Welche elendes Bild hingegen im Westen.
Einsam liegen die sterilen Siedlungsgettos tagsüber da, während die Bewohner gezwungen sind, ihre Tage in unterkühlten Glaskästen zu verbringen...



... während sich zuhause die Probleme türmen: regnet es, wuchert der Garten aufgrund der hohen Temperaturen wie ein Dschungel, scheint die Sonne, droht er zu vertrocken. Die allfällig nötigen Gärtner müssen durch Wachdienste kontrolliert werden. Doch wer kontrolliert die Wachdienste? Leider wird der Westen nicht so gut von Polizeistreifen gesichert wie der Osten. Um die allgegenwärtige Angst zu bekämpfen, brennen z.B. den ganzen Tag alle Straßenlaternen.

Da lediglich Doppelgaragen vorhanden sind, muss entweder der Pickup, der Geländewagen oder die Limousine dem vulgären Blick der Nachbarn preisgeben werden.



Touristen, die im Schritttempo durch die Siedlung fahren und versuchen, durch Diamantohrringe verursachten Haltungsschäden der Bewohner zu fotografieren, werden leider wenig geschätzt.

24. April 2007

Lies have short legs, jawohl!

Das finde ich an den Amerikanern ja wieder sehr sympathisch: meistens kriegen sie irgendwann die Kurve und berappeln sich wieder, auch wenn es manchmal ein wenig dauert. 2003 und 2004 hat die Armee Geschichten erfunden, mit denen sie Soldaten im Irak zu Helden machen wollten. Einer war Pat Tillman, der seinen NFL-Vertrag kündigte und als Soldat in den Irak ging. Dort wurde er von den eigenen Leuten versehentlich erschossen, aber die Armee stilisierte seinen Tod hoch und erzählte allen, er sei bei einem tapferen Gegenangriff gegen die Rebellen gefallen. Dazu wurden dann auch gleich Zeugenaussagen gefälscht, Dokumente vernichtet und überhaupt gelogen, daß sich die Balken biegen. Etwas ähnliches passierte mit Jessica Lynch. Angeblich wurde sie bei einem Kommando-Einsatz aus einem schwer bewachten irakischen Krankenhaus befreit, wo sie - nach einem schweren Feuergefecht verletzt - festgehalten und mißhandelt wurde. Dummerweise hatten die irakischen Ärzte vorher versucht, sie an die Amerikaner zu übergeben, wurden aber nicht vorgelassen. Im Krankenhaus war nicht ein einziger Soldat, und sie war bei einem Autounfall verletzt worden und hatte nicht einen Schuß abgegeben. Die Ärzte kümmerten sich sehr gut um sie und Angehörige der Ärzte spendeten sogar Blut für Lynch. Das hat sie auch alles öffentlich bestätigt, aber das Echo der Empörung war verhalten. Jetzt ist aber ein Untersuchungsausschuß mit der Sache betraut, und das könnte nochmal richtig interessant werden.

A grand day in

So - nachdem wir uns die touristischen Hörner abgestoßen haben, kommen wir zum wahren Grund unseres Aufenthaltes:



Mit mütterlicher Sorgfalt wird Andreas´ Jungesellenbude auf Vordermann gebracht. Was nicht eindeutig zugeordnet werden kann, wird im Mahlwerk der Spüle zu Staub geschreddert.



Ihren Argusaugen entgeht nichts. Wie man sieht, bleibt nicht die kleinste Schraube locker.

Ich halte mich vornehm zurück und versuche vergeblich Katrins Guitar-Heros-Highscores zu knacken - grrrr!

Herr Lehrer, ich weiß was!!!

Andrea hat ein Blooo-oog! Andrea hat ein Blooo-oog! Andrea hat ein Blooo-oog! Andrea hat ein Blooo-oog! Andrea hat ein Blooo-oog! Und zwar dieses hier!

23. April 2007

A grand day out

Heute wollen wir uns einen Überblick verschaffen, das angeblich so schnuckelige Austin verlassen und das wahre Texas finden.

Durch labyrintische Wohngebiete suchen wir uns den Weg ins Freie...



... und gelangen schließlich in die große Freiheit Nr. 7.



Nach schlappen 130 km erreichen wir Fredricksburg, das nächstgelegene der vielen deutschstämmigen Städtchen.



Da wir nicht auf dem selben Weg zurückfahren wollen, planen wir eine kleine Kurve ein, die Andreas´Navigator ("Uschi") nicht schmeckt. Als echter Texanerin ist Uschi jeder Umweg recht, nur um über irgendeinen Highway zu brettern.



Als wir mit dem letzten Tropfen Benzin zuhause eintreffen, ist die Tageskilometeranzeige auf 550 geklettert.
Was wir zuhause getrost als "große Nordrheinwestfalenrundfahrt" bezeichnen dürften , müssen wir auf meiner Texaslandkarte mit der Lupe suchen. Ich glaube, wir haben Wesentliches über Texas gelernt...

Blind Date Shooting


Er ist mein Held: Bill Maher. Am Ende seiner Talkshow "Real Time" gibt es immer das Segment "New Rules", in dem er eben seine persönlichen Regeln für die Welt verkündet - und damit den meisten Menschen wohl aus der Seele spricht.
Dieses Segment hier ist besonders amüsant, denn er spricht über ein Gesetz, das hier in Texas verabschiedet werden soll. Es erlaubt blinden Jägern mit einem Laservisier jagen zu gehen. Ein Begleiter sagt dann eben Bescheid, wann der Blinde abdrücken soll. Amerika, das Land des unbegrenzten Wahnsinns...

22. April 2007

Bowling


Heute sind wir zum Bowlingspielen gegangen. Meine Mami hatte nur Erfahrung mit ganz normalem Kegeln, hat sich aber trotzdem sehr gut gehalten.

Wer nach Punkten hinten lag, mußte den Propeller-Beanie tragen, was für uns, aber auch für die Leute an den Nachbartischen für einigen Frohsinn gesorgt hat.

Meine Mutter hat dann aber nochmal richtig aufgedreht und mit einem unglaublichen Wurf einen Split abgeräumt - da stehen die beiden letzten Kegel ganz links und rechts und sind eigentlich kaum beide mit einem Wurf zu treffen.

Und wenig später gelang dann auch der erste Strike. Nach alter Tradition muß jeder Strike mit einem Siegestanz gefeiert werden...

...was wir auch...

...immer gemacht haben. Ich wundere mich, warum man uns nicht rausgeschmissen hat, es waren schließlich auch Kinder da.

Malzbier... schnüff... Malzbier...


Katrin hatte mir vor der Abreise ja noch den Tip gegeben, nach "Malta Goya" Ausschau zu halten, das in etwa dem deutschen Malzbier entsprechen soll. Heute habe ich es dann in der mexikanischen Abteilung des Supermarktes tatsächlich entdeckt, nach hause getragen, gekühlt und unter Vorahnungen getrunken. Und siehe da: es ist ziemlich genau wie Vitamalz, vielleicht einen Hauch süßer, aber wenn es richtig kalt ist, macht das nichts. Malzbier... in Texas... Danke, Katrin, für diesen Hinweis!

18. April 2007

Geburtstag

Meine Mutter hatte heute Geburtstag und ich hatte mir einen Tag freigenommen, damit wir gemeinsam ein wenig durch Austin fahren können. Aber auf dem Weg zum Blumenkauf machte mein Wagen dann schlapp - blockierte Gangschaltung. Nichts ging mehr, nach einige Mühen haben wir den Wagen dann von der Straße schieben können. Während Georgie meine Mutter und meinen Bruder zum Frühstück ausführte, wurde ich von einem schweigsamen Mexikaner abgeschleppt. $75 fürs Schleppen, $540 für die Reparatur. Grunz. Das Geld hätte ich besser anlegen können. Aber dann wurde es noch sehr schön, und auch das Wetter spielte endlich mit.

Mount Bonnell ist ein prima Aussichtspunkt, man kann von dort aus den Colorado River gut sehen und auch die Nobelvillen der Reichen, die sich direkt am Wasser ihre Häuschen gebaut haben. Schon schmuck.

Viel wichtiger war natürlich, meine Mutter mit der richtigen Kleidung einzudecken, vor allem ein Sonnenhut war dringend nötig, denn es sticht schon ganz schön, wenn keine Wolken am Himmel sind. Also sind wir zu Allen's Boots gefahren, DEM Laden für Cowboybekleidung.

Aber obwohl das Angebot an Stil und Auswahl nichts zu wünschen übrig ließ, war nicht das richtige für meine Mutter dabei. Und am späten Nachmittag machte sich dann doch nochmal der Jetlag und das Wandern bemerkbar und ein Nickerchen war angesagt - ganz ohne Cowboyhut...

17. April 2007

Talk im Kleiderschrank

Wie Andreas vorhergesagt hat, war unsere Nacht früh zu Ende. Um ihn nicht zu stören, haben wir uns auf ein Schwätzchen in den begehbaren Kleiderschrank zurückgezogen und die gestrigen Eindrücke sortiert. Gibt es bei Tageslicht Indizien dafür, dass die USA tatsächlich so groß ist wie immer behauptet wird? Können wir aus dem Kleiderschrank heraus bereits irgend etwas erschließen, so wie einst Platon aus den Schatten an der Höhlenwand?

Nun ja, a) lässt sich im Kleiderschrank bequem leben b) ist das Bad zwar nicht als Mannschaftsumkleide freigegeben – könnte aber! c) haben wir einen Super-Size Kühlschrank entdeckt d) eine Mikrowelle, in der man Baguettes quer aufbacken kann (ja, die langen!) und e) einen Mülleimer, der mir fast bis unters Kinn reicht. Wir diskutieren diese Beobachtungen auf verborgene Tendenzen und planen, zur Vervollständigung unserer Eindrücke zweierlei: am Vormittag wollen wir versuchen, sämtliche begehbaren Abstellkammern, Schränke und Balkone der Wohnung zu erwandern - am Nachmittag möchten wir mit Auto und Navigator die Wohnanlage erkunden. Vollgetankt ist ja.

Ins Städtchen trauen wir uns noch nicht, da Andreas meinte, die hiesigen Straßenbeläge seien nicht für Regen ausgelegt und die Austiniten hätten einen starken Hang, einem bei der Gelegenheit ins Auto zu schlittern. Ja es regnet. Der Himmel ist bleiern und grau, der Wind kühl, Regen nieselt fröhlich vor sich hin.
Um den Wettergott gnädig zu stimmen, haben wir das üppige Frühstück, das oppulente Mittagessen und das gehaltvolle Abendessen samt aller Vor- und Nachspeisen bis zum letzten Krümel aufgegessen. Eine besondere Herausforderung war es, die Getränkeeimer samt Eiswürfel leer zu bekommen, die von herumstromernden Bedienungen immer wieder tückisch gefüllt wurden. Katrins trauriges Schicksal vor Augen haben wir uns aber bis zum letzten Tropfen durchgekämpft; irgendwann sind die Nachfüllkannen der Bedienung ja leer ;-)

Morgen wird es also schön! Prall aber glücklich gehen wir gegen 22.00 Uhr zu Bett. Ächz.

16. April 2007

Midsommer in Kairo

Andreas´ Aufforderung, eine möglichst starke Sonnenmilch mitzubringen, ließ mich kurz vor Abflug noch schnell nach einem bekannten Referenzpunkt für Austin suchen und siehe da: es liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Kairo. Also Lichtschutzfaktor 50!

Bei strahlendem Sonnenschein brachen wir um 7.00 Uhr in Düsseldorf auf, um unseren ersten Transatlantikflug in Angriff zu nehmen. Irgendwann klemmte sich die Sonne links neben das Flugzeug und zusammen flogen wir über den Atlantik. Kaum war eine Stunde vergangen, durften wir die Uhr wieder eine Stunde zurückdrehen. "Und die Sonne stand still über Gibeon und der Mond über dem Tal von Ajalon und beeilte sich nicht unterzugehen für einen ganzen Tag."
Als wir in Atlanta ankamen, waren wir schon 14 Stunden bei praller Sonne unterwegs. Unsere innere Uhr sagte, es sei 20.00 Uhr - bald müsse der Spaß ein Ende haben. Alle anderen (Sonne inklusive) behaupteten jedoch, es sei erst 14.00 Uhr und die Luft auf den Rollfeldern müsse flimmern. Gegen 0.00 Uhr verspürte unser Biorhythmus Lust auf Licht-aus, draußen schien die Sonne mit ungehemmter Wucht. Als die Sonne unerwartet dann doch irgendwann unterging, meldete unser Biorhythmus "Guten Morgen - die Sonne wird gleich aufgehen". Midsommer ist doch immer wieder anstrengend...

Für uns Amerika-Neulinge war auch folgendes Erlebnis interessant:
"Mutter, schau mal aus dem Fenster, da unten ist der Rhein. Oh, nein warte. Schon zuende, da unten ist die Nordsee. Willst Du mal die Nordsee sehen?"
"Ich seh nur Äcker"
"Oh, das muss wohl schon England sein, lass mal sehen"
"Linksverkehr. Tatsächlich, das ist ...äh... das war England"
Um nichts mehr zu verpassen, habe ich dann im Minutentakt hinausgeschaut und die Küste Neufundlands erwartet, doch lange Stunden blieb unten alles blau blau blau blau.
Auch später über Nordamerika ging es irritierend langsam voran. Logisch betrachtet könnte man auf den Gedanken kommen, Europa sei klein - aber sooo groß kann Amerika nun auch nicht sein, oder? Wahrscheinlich waren wir bloß übermüdet.

Ankunft

Etwas zerknautscht aber guter Dinge sind meine Mutter und mein Bruder am Flughafen von Austin angekommen - und viel wichtiger: sie hatten Malzbier dabei. Und natürlich ist mit ihrer Ankunft auch das Wetter umgeschlagen. Grunz.
Am Leihwagenschalter war es sehr lustig, der Mann wollte uns unbedingt einen größeren Wagen andrehen ("How about a Cadillac?"), aber wir blieben standhaft und haben den größeren Wagen dann umsonst bekommen. Gut geblufft, aber mit Texas-Fabis wird das nichts, har! Jetzt haben wir einen feinen roten PT Cruiser für das richtige Amerika-Feeling.

Schon wieder...

...ein Massaker an einer amerikanischen Schule und die Waffenlobby schreit sofort: "Wir brauchen mehr Waffen! Dann hätte der Amokläufer gestoppt werden können!"
Das klingt nach einem guten Konzept, wenn jeder pubertierende Schüler eine Halbautomatik im Unterricht hat, wird es das Lernklima bestimmt langfristig verbessern.
Hier auf der Arbeit war einiges los, fast jeder meiner amerikanischen Kollegen hat Freunde oder Verwandte, die auf der Virginia Tech sind, daher gab es den ganzen Vormittag lang ausgedehnte Telefonate, bis endlich klar war, daß keiner dieser Leute unter den Opfern war.

15. April 2007

Schnipp!


Endlich, endlich... Ich fühle mich wieder wie ein Mensch. Nachdem ich den letzten Monat meine Haare habe wachsen lassen, um mal das Fundament für eine grundsätzlich andere Frisur zu schaffen, war es dann heute endlich soweit. Georgies Mitbewohner Ron hat seinen Friseursalon aufgeschlossen und mich frisiert. Wir hatten eine Menge Spaß, denn er hat mir all die seltsamen Frisuren vorgeführt, die Kunden schon von ihm verlangt haben. Vor allem "Mephisto", "Spock" und "Fauxhawk" haben es mir angetan, wobei letzteres eben ein falsche Mohawk ist, da werden die Haare im Scheitel hochgegelt und das sieht dann eben fast echt aus. Ich wiege jetzt jedenfalls vier Pfund weniger. Oben seht Ihr das "vorher"-Bild, leider gab die Kamera beim "nachher" den Geist auf, wahrscheinlich war der optische Chip von meiner maskulinen Exzellenz überfordert.

14. April 2007

Felsen, wunde Finger, Sonne...


Der helle gelbe Ball am Himmel (einige älter Texaner schwören, es sei die "Sonne", und die hätten sie vor langer Zeit schon einmal gesehen) lockte uns nach draußen, also sind wir zum Klettern gefahren. Reimer's Ranch war komplett überlaufen, wir waren nicht die einzigen mit dieser Idee, aber das die Kletterer hier ein nettes Völkchen sind, haben wir einfach die Seile oben gelassen und jeder ist überall mitgeklettert.

Ein kurzer Abstecher an den Guadelupe River hat dann aber gezeigt, daß das Wasser noch viiiiiel zu kalt zum Schwimmen ist, jedenfalls wenn man freiwillig hineingeht. Hier seht Ihr Georgie, kurz bevor sie die Prüfung für das silberne Seepferdchen ablegt.

Und ein wenig später war es dann nicht mehr so voll und ich konnte einige Routen im Vorstieg hinaufklettern. Das macht schon mehr Spaß, ist aber auch nach wie vor ein wenig gruselig, speziell wenn ein möglicher Fall von einem Haufen scharfkantiger Felsen gebremst werden würde...

13. April 2007

Die Katrin...

...hat jetzt auch ein Blog!

Himmel!


Es gibt ihn also doch noch, den blauen Himmel. Nachdem Katrin abgereist war, hat sich das Wetter auch sofort berappelt. Kein Wölkchen mehr am Himmel, Temperaturen wie im andalusischen Sommer. Und während ich so in den Himmel geschaut habe, dachte ich über eine interessante Frage nach: Warum heilt Gott eigentlich keine Amputierten? Ich meine, Krebs, schrecklichste Krankheiten, viele Menschen schreiben ihre Heilung Gott zu, aber Amputierte sind von diesen Wundern ausgenommen (was ich persönlich im Angesicht eins allmächtigen, allwissenden Gottes etwas seltsam finde). Natürlich beantwortet Gott auch nicht ALLE Gebete anderer Kranker, aber er beantwortet NIE die von Menschen, denen Gliedmaßen fehlen. Auch genetisch bedingte Krankheiten scheinen aus irgendeinem Grund komplett von Wunderheilungen ausgenommen zu sein. Ich gehe ja davon aus, das Religion Aberglaube ist, daher habe ich kein Problem damit, aber ich frage mich, wie religiöse Menschen diesen Umstand erklären (außer dem vielbemühten "Gottes Wege sind unergründlich!")...

12. April 2007

Der ultimative Rückblick

Ich habe tatsächlich letzte Nacht geschlafen! Von zehn abends bis heute morgen um sieben. Das lässt hoffen für die Bewältigung des Jetlag...
Also, Texas 2007 - Die Top Ten: Wie war es?
Ok, als erstes, auch wenn da niemand was für konnte: Das Wetter war suboptimal. Man kann auch in der Fremde mal eine Woche faulenzen und lesen, aber zwei... naja.
Zweitens: Ich liebe Filme im Original. Mein Kinotank ist erfreulich aufgefüllt. Ich gehe hier definitiv zu selten, das muss sich ändern.
Drittens: Das Essen in den USA ist einfach gut. Ich wünschte, ich könnte hier auch für so wenig Geld so oft so gut essen gehen. Da lohnt sich selbst kochen wirklich nicht.
Viertens: Renaissance Fairs sind besser als ihr Ruf in Deutschland. Nette Leute, nette Gewandungen, nette Location. Das war prima.
Fünftens: Die Landschaft ist auch unter bewölktem Himmel nett, unter anderem durch die Unmengen an Blumen, die in diesem Jahr geblüht haben, das war schon irre.
Sechstens: Dekadenz rächt sich. Nach dem Abend im Whirlpool hatte ich Blasenentzündung, die seit heute antibiotisch bekämpft wird. Mist.
Siebtens: Ich kann noch klettern, juchhu! Noch so etwas, was ich hier zuhause einfach mal öfter machen müsste... grr!
Achtens: Ich habe Entzugserscheinungen von Guitar Hero II, unserer allabendlichen Entspannungsübung... Möchte mir jemand eine Playstation und einen Beamer schenken?!
Neuntens: Mir wird das rumlungern in gemütlichen Cafés fehlen. Manchmal ist es doch nicht so schön, auf dem Land zu wohnen.
Zehntens: Ich musste Andreas in Austin lassen. Er hat nicht in den Koffer gepasst. Schade eigentlich.
So, wer mag, kann sich hier die Fotos vom Urlaub mal gesammelt anschauen. Ich geh jetzt auf meinen Balkon, quetsche meinen Liegestuhl neben die frischgewaschene Wäsche und genieße die Sonne... Tschüß, Blog!

Nekröse Nematoden


Nach langen Solotouren durch die Staaten waren die Nekrösen Nematoden endlich wieder vereint und spielten ein langes Rock-Set in der Sprockets-Arena in Austin.
Stratocaster-Stephen, Georgie Girl, Wyld Wyld Weidner und Animal Andy spielten mehrere Sets, bis der zweite losgeschickte Pizzabote es endlich geschafft hatte, das richtige Apartment zu finden. Danach haben sie sich dann zum Abkühlen noch "Spinal Tap" angesehen, das richtige Anschauungsmaterial für Luftgitarrenspieler.

Glück gehabt

Ich habe mir heute die aktuelle Kriminalstatistik angesehen und bin nun froh, aus Düsseldorf abgehauen zu sein:

Die zehn größten deutschen Städte im Vergleich (Zahl der Straftaten pro
100.000 Einwohner):

  1. Frankfurt: 16.378
  2. Düsseldorf: 14.989
  3. Bremen: 14.719
  4. Berlin: 14.632
  5. Köln: 13.991
  6. Hamburg: 13.566
  7. Dortmund: 11.478
  8. Essen: 9291
  9. Stuttgart: 9289
  10. München: 8861
Natürlich würde sich die Statistik sofort entschärfen, falls Carsten umzieht, aber solange werde ich doch lieber im total sicheren Amerika bleiben, wo man von Kriminalität nur aus Büchern weiß.

11. April 2007

Quadratlippen

Onkel Niels hat mir ein sehr schönes Bild geschickt, das ich sofort im "Square Lips"-Blog untergebracht habe. Hier also die Bitte: schickt mir doch Bilder, auf denen Ihr Quadratlippen macht. Vielleicht wird es so zu einem internationalen Trend.

Sehenswert


Wow, das ist eine wirklich exzellente Dokumentation über die amerikanische Regierung und wie sie die Bevölkerung mit gefälschten Fakten und Propaganda manipulieren. Sehr gut recherchiert und sehr gruselig...
10 Teile: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Gutes Karma auf dem Rückflug

Meine beiden Koffer sind wieder voll gepackt und Andreas hat sogar ein Auto mit Kofferraum geliehen, um mich zum Flughafen zu bringen. Dankenswerterweise hat er darauf verzichtet, die zugegebenermaßen schweren Brocken einfach aus dem dritten Stock vom Balkon zu werfen. Aber natürlich hat er angemessen gejammert über die Schlepperei.

Es ist kein gutes Gefühl, wenn man in Chicago ohnehin nur eine knappe Stunde zum Umsteigen hat und der Flug von Austin nach Chicago dann um eine halbe Stunde verschoben wird. Ich habe versucht, mittels Geistes- und Wunscheskraft einen Flieger ans leere Gate zu manifestieren, aber so recht wollte es nicht gelingen. Machte aber letzten Endes nicht soo viel, in Chicago war das Gate nämlich auch noch leer und wir sind erst mit einer Stunde Verspätung Richtung Frankfurt gestartet. Es war mir vorher irgendwie gar nicht so klar, dass Fliegen ähnlich pünktlich funktioniert wie die Deutsche Bahn.

Aber ich will mich nicht beschweren: Ich muss in den zwei Wochen Austin unglaublich viel gutes Karma gesammelt haben, denn der Platz neben mir im Flieger blieb frei und so konnte ich mich gemütlich ausbreiten und habe sogar richtig gut geschlafen.
Und ich habe die Wolken nicht mit nach Hause genommen, in Frankfurt schien nämlich auch die Sonne. Nachdem ich mal wieder bis zum Schluß auf meine Koffer warten durfte - immerhin waren sie da - wurde ich freudig von meiner Schwester und Tim begrüßt. Alles war gut - - - bis wir auf der A 3 vor Limburg in eine Vollsperrung gerieten. Also doch noch einmal drei Stunden sitzen statt einer... Naja... ich komme aus dem Urlaub... ich bin erholt...

Texas... Texaaaaa-aaas...

Kaum ist Katrin weg, da scheint auch schon die Sonne. Aber das ist natürlich nicht alles, was im Land der Cowboys und Indianer passiert. Zum Beispiel haben amerikanische Forscher mal wieder bewiesen, wer Weltspitze ist: sie haben Antidepressiva für Haustiere entwickelt. Jetzt können ängstliche Hunde mal richtig aufdrehen.
Und es entspinnt sich gerade eine Diskussion um das texanische "Futile Care Law":

Texas's six-year-old "futile-care" law is one of two in the country that allow a hospital's ethics committee to declare the care of a terminally ill patient to be of no benefit and to discontinue care within a certain time frame.


Wobei ich mich ja frage, was genau "no benefit" hier bedeutet und auf wen sich das bezieht.

9. April 2007

Sushi bei Uschi


Ich mag ja Traditionen - und weil wir letztes Jahr am letzten Abend ganz edel im Uchi waren, darf es diesmal auch nichts anderes sein. Wir haben Glück und müssen noch nicht mal auf einen Platz warten. Warmer Sake vorneweg und dann folgt ein Rausch aus köstlichen Dingen, die jeden Geschmacknerven einzeln kitzeln. Njam!

Einzig die Tatsache, dass ich den verdammten Stäbchenkampf wohl einfach mal ordentlich üben muss, hat den Genuss minimal geschmälert. Das ist schon erstaunlich - die Amerikaner gelten bei uns als Fast-Food-Banausen, aber egal, ob wir in einem asiatischen Schnellimbiss oder eben im Sushi-Luxus-Tempel waren: Alle beherrschen den Umgang mit Stäbchen. Respekt!

Needful Things

Da bin ich doch eigentlich gerade erst angekommen und schon muss ich wieder packen... Schade. Und erstaunlich, wie viele Sachen ich dieses Jahr getrost zuhause hätte lassen können: Bikini, kurze Hosen, kurze Röcke, Mückenspray. Ok, den Sonnenhut hab ich einmal gebraucht... die Sandalen hatte ich auch einmal an... Wirklich dreckig sind aber die beiden langärmeligen Pullover, die ich dabei hatte (ich hoffe nur, der weiße wird jemals wieder sauber!). Aber, wie man hört, in Deutschland scheint die Sonne. Da ist es ja prima, wenn ich die ganzen luftigen Sachen nicht erst mal waschen muss... :-)

8. April 2007

Lecker Lunch im Alamo Drafthouse

Prima, heute war Kinowetter!!! Das haben wir dann auch gleich ausgenutzt, um Planet Terror und Death Proof als Double Feature "Grindhouse" anzuschauen. Quentin Tarantino und Robert Rodriguez haben da zwei nette Filmchen gemacht, um es mal so auszudrücken. Mir hat der von Tarantino besser gefallen, auch, weil ich Vorbehalte gegen Filme habe, in denen Bruce Willis erschossen wird. Sowas!
Im Ernst: Das war schon nichts für schwache Nerven. Nochmal ein ganzer Packen mehr Blut als 300 und The Host zusammen, aber extrem coole Sprüche dazu.
Oder, um Wikipedia zu zitieren: "Grindhouse is rated R in the United States for strong graphic bloody violence and gore, pervasive language, some sexuality, nudity and drug use. "
Meine theoretisch leckere Pizza war stellenweise dann doch ein bisschen schwer zu schlucken...
Und wer jetzt noch mag, schaut sich den Trailer an:

Frohe Ostern


Ich wünsche allen Lesern meines Blogs frohe Ostern. Ich hoffe, Ihr habt eine Menge Eier gefunden. Ich habe nur eins für Katrin versteckt. Sie hat es auch sofort und etwas unkonventionell (ohne hinzusehen) gefunden, und ich zeige gerne Fotos von diesem denkwürdigen Moment, sobald sie abgereist ist und meine Verletzungen geheilt sind.

7. April 2007

Historisches Wetter

Ich hätte mich nicht über den Regen beschweren sollen. Jetzt schneit es. Erst der nasseste März aller Zeiten und jetzt das hier: "Easter weekend will go down in the record books as one of the coldest times in April in recent memory. Most of the records for the cold temperatures were originally set back in 1938."
Und in diesem Sinne an alle: Schöne Ostertage!

Ich bin ein Kuhmädchen


Über den amerikanischen Geschmack in Kulturdingen kann man ja sehr gut streiten und eigentlich gibt es da auch nur eine Position, hehe. Um so besser, das Katrin ein wenig europäischen Modegeschmack mitgebracht und aus den Accessoires im Gift Shop zielsicher das ausgesucht hat, das ihren Typ am Besten unterstreicht. Schließlich ist man stets Botschafter seines Landes, wo immer man auch hinreist.
Aber mal im Ernst, das ist wirklich eine seltsame Sache hier: nach außen hin sehen die meisten Sachen sehr echt aus, stellen sich dann aber als Attrappen heraus. Das kann einem das Vergnügen an Besichtigungen schon ein wenig kaputtmachen. Da fehlt oft das Auge für Details oder der Wille (und/oder das Geld), um es richtig zu machen. Ich weiß nicht woran es liegt, aber den Amerikanern scheint es nichts auszumachen, vor Pappkulissen zu stehen - mir verdirbt es oft den Anblick...

Lick it

Dieses arme Reh wird zweifellos Zeit seines Lebens mit einer sexuellen Störung zu kämpfen haben. Und das nur, weil Andreas es dazu gezwungen hat, Gefallen daran zu finden, seinen Zeigefinger zu lecken...

Up and down we go

Die Wonderworld in San Marcos hatte Freitag schon zu, also sind wir nach einem üppigen amerikanischen Frühstück bei Denny's heute noch mal hingefahren. Die Höhlen dort sind keine Tropfsteinhöhlen, sondern durch ein Erdbeben entstanden - ein Glück, denn die vielen texanischen Tropfsteinhöhlen sind bei Dauerregen nicht zu besichtigen. Tief unten in der grünen Hölle war es auch wunderbar warm, ich konnte mich aus einer meiner drei Jacken schälen.

Nach dem Gang nach unten ging es mit dem Aufzug ganz nach oben, 110 ft auf einen Aussichtsturm. Aus mir völlig unerklärlichen Gründen wollte Andreas nicht über die wackeligen Gitterstufen bis zur obersten Plattform klettern. Dabei konnte man meilenweit grauen Himmel sehen von da!

Danach ging es ins Anti-Gravity House, wo es die Bezeichnung "schräger Vogel" anschaulich darzustellen galt. Wertungen sind bitte nach A- und B-Noten getrennt unter Kommentaren abzugeben! :)

6. April 2007

Kreditkartenmagnet


Die Factory-Outlet-Stadt nahe San Marcos hat uns in Ihr Gravitationsfeld gezogen und wir sind nur mit Mühe entkommen. Nach einer kurzen Behandlung mit Riechsalz und der Autobatterie konnte ich Katrin zum Gehen überreden. Und zur Strafe mußte sie meine Tüten auch tragen. Den Gang in den Christian Superstore haben wir uns gespart, obwohl so ein paar Extra-Rosenkränze ja nie schaden können.

Fisch

Viele Fische angucken macht hungrig - also auf zu Joe's Crab Shack. Das liegt in San Marcos sehr nett am Fluß, und trotz eiskalten Windes haben wir uns auf die Terrasse direkt über einen Miniwasserfall gesetzt. Einer guten alten Tradition aus dem letzten Jahr folgend hatten wir uns mal wieder ordentlich ausgehungert, und mit dementsprechend ungewöhnlichem Gesichtsausdruck erwartet dieser mir völlig fremde Mann auch seine Dungeness Crab...

Aquarena


In San Marcos entspringt der San Marcos River - aus geschätzt 1000 Quellen. Zur Zeit sind es wahrscheinlich eher 3000, da es ja dauernd regnet und somit der Grundwasserspiegel kurz vorm Überlaufen stehen muss. Im Aquarena kann man sich die Quellen, jede Menge Fische und Schildkröten mit dem Glasbodenschiff von oben anschauen, das Wasser ist unglaublich klar und wenn man keine nette ältere schwatzhafte Amerikanerin mit im Boot hat, kann man bestimmt auch verstehen, was der Tour Guide erzählt.

Das gesamte Gelände hat sehr viel 50er Jahre Charme, früher gab es wohl eine Wassershow mit einem schwimmenden Schwein sowie stählern lächelnden Meerjungfrauen. Heute gehört alles der Texas State University und man darf in niedlich präsentierten Miniaquarien so seltene Dinge wie den Texas Blind Salamander bestaunen.

5. April 2007

Heimkino

Ja, ich als alte Fernsehverweigerin muss gestehen: So ein Beamer in Kombination mit einer großen DVD-Sammlung hat schon was. Am Sonntag war es Willow, gestern abend Labyrinth, richtig schöne alte Sachen, die man sich gemütlich vom Wohnzimmersessel aus anschauen kann. Für heute abend schwanke ich noch zwischen The Princess Bride, Indiana Jones und Dune. Mal sehen, wer das Rennen macht...

4. April 2007

McKinney Falls

Das Wetter hat sich wieder dafür entschieden, gegen mich zu sein. Egal. Ich will Landschaft sehen, und die McKinney Falls sind nur ein paar Meilen südlich von Austin. Uschi und ich sind uns zur Abwechslung mal einig und so passiere ich das Parktor gegen 14 Uhr. Ein Parkplatz ist kein Problem, es scheint, als wären außer mir noch maximal fünf Leute da. So gesehen nicht weiter verwunderlich, dass das Smith Visitor Center geschlossen ist. Lohnt sich zu dieser Jahreszeit und bei schlechtem Wetter offensichtlich nicht, da jemanden den ganzen Tag reinzusetzen. Ich lenke meine Füße auf den Rock Shelter Trail, der mich zu den Lower McKinney Falls führen soll; vorbei an dem ersten Baum hier in Texas, den selbst ich als hochgewachsen bezeichnen würde.

Nach einem Viertelstündchen bereits erreiche ich die unglaublichen Wasserfälle des Onion Creek... *räusper* Nun ja, man hat schon mehr Wasser einen beachtlicheren Höhenunterschied herunterstürzen sehen. Irgendwie niedlich, da eine Touristenattraktion draus zu machen.

Auf dem Rückweg zum Auto kommen mir auf einer Verbindungsstraße plötzlich ein Polizeiauto und ca. 20 Jeeps entgegen, die jede Menge gut gebaute junge Männer ausspucken, die Armeehosen tragen und lustige blaue Hemden, auf denen ihr Name steht... das wirkte in diesem verlassenen Park ein bisschen wie ein geheimer Notfalleinsatz und ich habe mich auch kaum getraut, den Aufmarsch zu fotografieren!

Da ich den Park nicht nach einer halben Stunde wieder verlassen will, folge ich vom Auto aus noch dem Onion Trail. Der geht zunächst einmal für ungefähr zwei Kilometer durch eine Picnic Area, um dann nach einem kleinen Waldstück durch ziemlich große Campinggründe zu führen. Tja, so richtig Natur in meinem Sinne ist das nicht. Aber immerhin bin ich nach den drei Meilen um besagten Campingplatz drumrum wenigstens ordentlich müde. Auch was wert!

Es gibt doch einen Gott!

Danke, danke, danke! Ich glaube an ein göttliches Eingreifen: die FCC hat das Handy-Verbot im Flugzeug aufrechterhalten.
"The idea of a person being a captive audience to someone yapping on the phone is simply a recipe for a lot of anger and a fair share of conflicts."
Ganz meine Meinung. Da würde ich zum Berserker werden, wenn der schwitzende Sumoringer neben mir auch noch acht Stunden lang mit seinem Finanzberater spricht, während ich neben ihn geklemmt in meinem Sitz schmachte.

Diese Entscheidung, zusammen mit EMIs Entschluß, seine Musik künftig ohne Digital Rights Management anzubieten, waren zwei echte Lichtblicke in einer ansonsten streckenweise recht gruselig doofen Welt.

3. April 2007

Uschi und ich allein unterwegs

In diesem Jahr war der Antrieb, selbst mit dem Autochen durch die Gegend zu kurven und die Gegend zu erkunden, bisher kaum bis gar nicht vorhanden. Nasse, glitschige Straßen... akute Faulheitsanfälle... irgendeine Ausrede gab es immer. Heute habe ich mich dann aufgerafft, obwohl mir die Lust schon fast wieder vergangen war, als Andreas mich zum Lunch mit Courtney, Brenda und Auston abholte und schon in der Ausfahrt vom Riata ein anderer Wagen an Andreas' Stoßstange entlangschrammte. *QUIETSCH*
Außerdem habe ich dämlicherweise meinen Führerschein in Deutschland gelassen, naja. So lange mich keiner anhält...

Nach köstlichem chinesischen Essen ging es los. Andreas hat ein neues Navigationsgerät, das sogar des Deutschen mächtig ist. Und auch, wenn Uschi und ich uns nicht immer einig waren, so habe ich nach einigem hin und her das neue OutletCenter in Round Rock gefunden. Nach 1 1/2 Stunden bummeln war mir mal wieder klar, dass ich nix brauche - auch kein Kleid, das statt 499 $ jetzt nur noch 229 $ kostet. Für das Geld fahr ich lieber in den Urlaub... ;-)

2. April 2007

Vollmond im Pool


So ein bisschen Dekadenz ist ja manchmal schon nett. Unter einem riesengroßen weißen Vollmond im Whirlpool liegen zum Beispiel...
An alle Neider: Ok, die Heizung war schon aus und wir haben es nicht wirklich lange ausgehalten - aber entspannend war es trotzdem.

Paula, die Palme


Andreas hat nach wie vor kein Mobiliar auf dem Balkon, ein Umstand, den ich ja eigentlich schon längst geändert haben wollte. Bisher bin ich - aufgrund mehrerer Faulheitsanfälle, wie ich zugeben muss - noch nicht dazu gekommen, einen gemütlichen deck chair zu erstehen. Aber wir haben schon mal ein anderes wesentliches Balkonverschönerungselement erstanden: Paula, die Palme. Wider Erwarten haben sowohl sie als auch ich ins Auto gepasst und den Transport heil überstanden. Zur Zeit akklimatisiert sie sich... und wartet auf Gesellschaft...

Sonnenuntergang am See


Das Oasis ist DER Ort schlechthin, um einen Sonnenuntergang am Lake Travis zu genießen. Also haben wir uns dorthin aufgemacht, auch wenn der Himmel die ein oder andere Wolke aufwies und nicht sicher war, ob man im entscheidenden Moment überhaupt Sonne sehen würde. Mit kühlen Margaritas bewaffnet warteten wir... und sieh da: es war zwar nur ein rotes Aufblitzen in der dunklen Wolkenwand, aber meiner Ansicht nach kann man es als romantischen Sonnenuntergang durchgehen lassen!

Nachschlag


Matthew Conley's letzter Auftritt, sniff! Wenn Ihr genau hinhört, könnt Ihr Katrin im Hintergrund lachen hören...

1. April 2007

Verzauberte Berge und nasse Füße

Sonnenschein auch am Sonntag. Der Weg zum Enchanted Rock beginnt beim Drive Thru von Schlotzsky's Deli, wo das junge Mädel vor uns dann doch nicht bestellen will und daher zurücksetzt, bis sie völlig überraschend auf Andreas' Auto trifft. BUMP! - Die Anhängerkupplung hat aber nur eine winzige Delle hinterlassen und als Andreas der wirklich sehr jungen Dame erklärt, es wäre schon ok, fällt sie ihm vor Erleichterung fast um den Hals. Ich frage mich ja, ob die Fairy gestern nicht doch einen seltsamen Freundlichkeitszauber gewirkt hat... ;-)
Den Rest der Fahrt habe ich mehr oder weniger verschlafen - Hörbücher haben ihre ganz eigene Wirkung auf mich...
Der Enchanted Rock sieht recht hübsch aus - allerdings auch recht hoch.

Andreas erzählt ein paar Horrorgeschichten, die mich motivieren sollen, diesen mickerigen roten Klotz in Rekordzeit zu erklimmen und erinnert vor allem an den Fotoroman über die Besteigung damals mit Andrea... Ich zeige mich unbeeindruckt enthusiastisch.

Auf dem Weg nach oben bestaunen wir die grünen Flecken, die der Regen in alle Senken gezaubert hat, und am Gipfel kann man tatsächlich die heiß gelaufenen Füße in einen Miniteich mit klarem, kalten Wasser tauchen...

Äh, ja... Klares Wasser... Ob die örtliche Fauna die Begegnung mit Andreas' Quanten überlebt, bleibt abzuwarten.

Aufgrund zu geringer Erschöpfung meinerseits sind wir anschließend noch eine hübsche Runde um den ganzen Brocken drumrumgelaufen. Danach war ich dann ordentlich fertig.

Auf dem Rundweg trafen wir auch auf Domenico, einen Italiener, der für ein paar Wochen in Dallas arbeitet und auf Wochenendausflug war. Im Sinne der europäischen Völkerverständigung haben wir uns seiner angenommen und sind zum guten Schluss noch gemeinsam zu Cooper's BBQ nach Llano gefahren. Hmmmm, Meat... Hmmmmmm, Grease....

Der Ruhm kam über Nacht

Das war eine Überraschung, als ich heute die CNN-Website aufgerufen und von einer Ausstellung im Museum of Modern Art in New York gelesen habe. Dort hat Frank Allister eine Ausstellung zum Thema "Religion - A Global Mindset" gemacht und eins der Fotos, die er von mir auf der Renaissance Fair in Lockhart gemacht hat, hat sehr gute Kritiken bekommen. Dann klingelte mein Telefon und am Montag habe ich ein Interview mit KGSR, dem lokalen Radiosender, und danach geht es zu "60 Minutes" im Kabelfernsehen. Ich werde mir wohl ein paar Tage frei nehmen müssen.

 
www.hospitalityclub.org ...bringing people together!
Mein Eintrag bei www.hospitality.org