28. August 2005

Crawford Wedding Extravaganza


Nach ein paar Bahnen im Deep Eddie-Pool habe ich mich dann nach Crawford aufgemacht, das liegt etwa 90 Meilen nördlich von Austin. Dort hat George W. seine Ranch und ganz in der Nähe gibt es das Camp Casey, wo Cindy Sheehan, die Mutter der im Irak getöteten Casey Sheehan ausharrt, bis der Präsident endlich mit ihr spricht. Näher darf sie nicht an die Ranch der Bushs heran, daher wurde hier das Lager aufgeschlagen, das nun von einer Menge Veteranen, Friedensgruppen und sonstigen Aktivisten genutzt wird, um gegen den Irak-Krieg zu protestieren.


Die Anreise war ein wenig beschwerlich, denn der Weg führt mehrere Meilen auf staubigen Straßen durch texanisches Farmland. Der Weg ist auf beiden Seiten immer wieder von Fähnchen, auf denen die Bewohner ihre unterstützende Haltung dem Präsidenten gegenüber ausdrücken, gesäumt. Mitten drin gibt es dann immer mal wieder kleinere Lager, die ihre jeweilige Meinung kundtun. Ich war ein wenig verwirrt und hatte die Befürchtung, die falschen Leute nach dem Weg zum Camp zu fragen, denn die Unterschiede verschwimmen ein wenig. Soweit ich es verstanden habe, gab es folgende Meinungsströmungen:
1. Völlige Zustimmung zum Kurs des Präsidenten.
2. Der Präsident ist klasse, nur der Irak-Krieg ist schlecht.
3. Beendet den Krieg, holt unsere Jungs nach hause.
4. Holt unsere Jungs nach hause, lasst jemand anderes weiterkämpfen.
5. Unterstützt unsere Truppen!
6. Unterstützt unsere Truppen, indem ihr sie zurückholt.
7. Jede Art von Krieg ist schlecht.
8. Die Bibel sagt: "Du sollst nicht töten!"
9. George W. ist ein Lügner und gehört mit Fäkalien beschmiert.

Die Stimmung im Camp war sehr nett, sehr viele ungewöhnliche Leute...


Aber ich war ja wegen Genevieves Hochzeit hingefahren. Trotz meiner Verspätung bin ich noch pünktlich hingekommen. Mike (der sich mit Genevieve beim Poetry Slam-Ansagen abwechselt) hat die einführenden Worte gesprochen, und die waren etwas, uhm, ungewöhnlicher als auf anderen Hochzeiten. Leider sehr schwer wiederzugeben. Immerhin hat er die anwesende Menge dazu gebracht, den Hochzeitsmarsch zu summen, das war auch sehr niedlich.
Unter dem Jubel der Menge gaben sich Peter und Genevieve dann das Ja-Wort und die anwesende Presse hat sich das Ereignis natürlich nicht entgehen lassen.


Und dann gab es noch ein leckeres Buffet und Live-Musik, alldieweil ein reges Kommen und Gehen herrschte und immer neue Redner sich auf dem Podium breit machten. Es war mit anderen Worten sehr nett!

Auf dem Rückweg bin ich wieder an den ganzen Mahnwachen vorbeigekommen und fand es schon erstaunlich, wie polarisiert die Leute hier doch sind. Es hatte ein wenig den Eindruck, als könne man entweder für Frieden oder für den Präsidenten sein, aber beides... das geht nun wirklich nicht. Wobei sich beide Seiten nichts geschenkt haben. Der Ton war ruppig.

Als ich dann in Crawford zum Tanken angehalten hatte, saßen draußen vor der Tankstelle ein paar Jugendliche mit einem Schild, auf dem "Hippies, go home!" stand. Das hat mich eigentlich mehr als alles andere erschüttert. Da fühlte ich mich auf einmal sehr unwillkommen, und mir ist zum ersten Mal so richtig diese gewisse Art von konservativer Einstellung aufgefallen, die in Austin so wohltuend fehlt. Jedenfalls war ich danach sehr froh, wieder in Austin zu sein.

Den Abend habe ich dann prophylaktisch mit einer Ode an die Redefreiheit beendet: in den Kinos hier ist "The Aristocrats" angelaufen. Ein Dokumentarfilm über einen unglaublich üblen Witz, also wirklich richtig... mir fehlen die Worte, aber ich mußte mich mehrfach im Kinosessel winden. Wow. Die Macher haben Dutzende von amerikanischen Comedy-Stars vor die Kamera geholt und ihre Version des Witzes erzählen lassen. So viel "profanity" auf einen Haufen habe ich wirklich noch nie gehört, und lange nicht mehr so gelacht. Ich bin mir nicht sicher, ob der Film es über den Teich schafft, aber wenn es so ist, dann seht ihn Euch an...

2 Kommentare:

Anonymous Anonym sagte...

hey Hippie, don´t mess up with Täksas.

Apropos Täksas:

Der Helge hat Geburtstag, tralla la la la - der soll den Witz erzählen, ja ja ja ja ja...

T.

14:44

 
Anonymous Andrea sagte...

Werd ihn mit meinem texanischen Lasso dazu zwingen, wenn ich im Oktober bei der Lesung bin! ;)

*a.

02:58

 

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