2. Juni 2009

Meh...

Normalerweise bin ich ja ein eher optimistischer Mensch und hege generell meinen Mitmenschen gegenüber kein Mißtrauen. Und ich finde das auch viel lebenswerter, als ständig darüber zu grübeln, ob jemand es wohl gut mit einem meint. Und so verleihe ich gerne mein Auto, lasse wildfremde Menschen bei mir übernachten und so weiter.

Aber in letzter Zeit fällt mir das wirklich schwer. Ich weiß nicht, ob es in Amerika einfach nur stärker ausgeprägt ist, aber ich habe wirklich das Gefühl, daß ich strukturiert über den Tisch gezogen werde. Und es sind nicht so sehr einzelne Menschen als vielmehr das System. Vielleicht habe ich ja bisher nur erfolgreich die Augen verschlossen, oder es kommt gerade einfach ein wenig geballt, aber das saugt mir echt die Lebensfreude aus den Knochen.

Ob es die Kreditkartenfirmen sind, oder die Krankenversicherungen, politische Parteien, große Konzerne, religiöse Organisationen - sobald es ums Geld geht, sind alle ethischen Grundsätze über Bord. Was die Amerikaner einander antun, nur um ein wenig mehr Gewinn zu machen, ist schon bedenklich.

Ich denke ja schon seit längerem, daß sich Kapitalismus und Demokratie einfach nicht vertragen, weil sie grundsätzlich verschiedene Ziele verfolgen, aber momentan sehe ich es wirklich krachen.

Beispiel Medizin: es ist einfach viel lukrativer, auf lange Zeit hin Symptome zu bekämpfen, als eine Krankheit zu heilen. Und wenn die Medizin nur noch auf den Gewinn schaut, dann steht eben nicht mehr das Interesse des Patienten im Vordergrund. Ein Arzt darf ja gerne stinkreich werden, aber er sollte dabei ethisch handeln. Ich frage mich halt: habe ich wirklich ein Loch im Zahn, oder muß der Arzt diesen Monat noch sein Soll erfüllen?

Irgendwie ist verlorengegangen, daß man den Gewinn mit einem guten Produkt macht, und nicht mit Klauseln und Kleingedrucktem und immer schön hart an der Grenze zur Legalität. Das kotzt mich hier wirklich an. Und wie gesagt: einzelne Menschen sind prima, das Problem liegt im System.

Kredikartenfirmen behandeln ihre Kunden schlimmer als der böseste Kredithai, Nahrungsmittelkonzerne verkaufen tiefgekühlte Scheiße, wenn sich damit der Gewinn steigern läßt, Konzerne privatisieren den Gewinn, aber drücken der Gemeinschaft die Verluste auf, es ist zum Verzweifeln. Es ist echt jeder moralische Kompass abhanden gekommen, und das im Land in dem nach eigener Aussage 90% religiös sind.

Keine Ahnung was zu tun ist... außer mit gutem Beispiel vorangehen... Meh...

Bill hat es mal wieder schön auf den Punkt gebracht:

1 Kommentare:

Blogger Thomas sagte...

Zu Demokratie und Kapitalismus: beides funktioniert ja angeblich dann besonders gut, wenn jeder seine eigenen Interessen verfolgt.Das System als Ganzes richtet alles und sorgt für Ausgewogenheit. Zwei Systeme, in denen Eigennutz das Gemeinwohl fördert. So kann jeder nach Herzenslust seins betreiben. Schön - zumindest in der Theorie.

Zum Schweinesystem: bei all meinem Interesse an Soziologie und Systemtheorie. Das System ist deshalb so stark, weil die Einzelteile seinen "Sachzwängen" auch ganz gerne folgen. Im Sozialismus war das ganz anders, obwohl man versucht hat, dass System mit aller Macht zu erhalten.

Zur 90%igen Religiosität: der Tanz ums goldene Kalb ist eine Urszene der Bibel wie ich finde.

15:54

 

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